Farblehre
Diese Seite drucken Hier können Sie uns eine Emaiil schreiben zurück Zur Übersicht vorwärts Links | Archiv   Letzte Änderungen 24.05.2017
     
Farbwiedergabe auf dem Bildschirm

Jede Farbempfindung ist additiv!
Der Bildschirm am eingeschalteten Gerät ist besetzt mit kleinen, aber schon mit der Lupe sichtbaren rot, grün und blau leuchtenden Punkten. Sie leuchten mehr oder weniger, weil sie gezielt von einem Elektronenstrahl mehr oder weniger angestrahlt oder auch nicht angestrahlt werden. Schon aus geringem Abstand betrachtet, verschmelzen die farbigen Punkte zu einem einheitlichen "additiven" Farbeindruck. Die Lichtenergie jedes Punktes bildet für das Auge einen Farbreiz.



Wenn alle Punkte leuchten, ist die Energie, welche unseren "Farbempfänger" Auge+Gehirn trifft, am größten und wir empfinden "Weiss", so wie auch das weiße Tageslicht - eine Mischung von elektromagnetischnen Wellen mit Wellenlängen etwa zwischen 400 und 700 nm 1 nm ( Nanometer) ist 1 Milliardstel Meter oder 1 Millionstel mm) als langweiliger "Wellensalat" weiß empfunden wird. Erst wenn man diesem Wellensalat Anteile wegnimmt entsteht ein Farbreiz, erst der Mangel macht den Reiz.

Dass aus Rot und Blau Violett entsteht, versteht man sofort, auch Blau + Grün = Blaugrün ist klar, dass aber Rot + Grün = Gelb, ist für alle sehr verblüffend, die sich nicht näher mit der Farbenlehre oder gar mit Farbmetrik befasst haben.
Für sie enpfiehlt sich ein Besuch auf der Seite Additive und subtraktive "Farb"-Mischung
Siehe auch die Links z.B. zu http://www.farbmetrik-gall.de und R. Soelch. http://www.farbenlehre.com

Wenn die grünen Punkte leuchten ist die Bildpartie grün, aber warum ist ein Blatt grün? Ein grünes Blatt wird deswegen grün empfunden, weil der im Blatt enthaltene Farbstoff, das Chlorophyll dem weißen Licht die kurz- und langwelligen und Lichtwellen (durch Absorption) entzieht, und nur die Lichtwellen mittlerer Wellenlänge wieder entlässt, die es als Energie zur Photosysnthese von Stärke aus CO2 und Wasser nicht braucht. Das Chlorophyll benimmt sich also subtraktiv. Der abgestrahlte Rest erzeugt additiv im "Auge" (hier stellvertretend gebraucht für den gesamten Wahrnehmungsapparat, zu dem auch Nervenschaltungen und Gehirnpartien gehören) den einheitlichen Farbeindruck Grün.

Warum sind keine gelben Punkte auf dem Bildschirm?
Wahrscheinlich wäre es möglich, einen solchen Phosphor (wörtlich "Licht-Träger") zu entwickeln, aber er würde im Prinzip auch nichts anderes, als das, was - wie oben gezeigt - die roten und grünen Bildpunkte tun, nämlich rotes und grünes Licht abstrahlen.

Für das "Auge" das Signal: "nun mach mal Gelb daraus".
Wir sind alle quasi Mitarbeiter beim Farbenfernsehen. Es sendet nur Rot und Grün und lässt uns das Gelb selber machen!
Dass dieses Gelb nicht besonders brillant ist, liegt daran, dass die in der Monitor-Technik zur Verfügung stehenden grünen und roten Phosphore nicht ganz ideal den Anforderungen entsprechen. So kommt es, dass sogar lacktechnisch brillantere Gelb als auf den Bildschirmen realisierbar sind!

Realisierbare Bildschirmfarben Vergleicht man die Farben auf dem Bildschirm mit Farben, denen wir im Alltag begegnen, in Werbeprospekten, Magazinen, Mode, an Straßenfahrzeugen etc., so bemerken wir Defizite eigentlich nur dann, wenn man gezielt danach sucht. "Sooo schlecht" ist das Fernsehen - zumindest was die Wiedergabe von Farben betrifft - gar nicht. Außerdem hat unser Wahrnehmungsapparat - je nach Standpunkt - die angenehme und "gnädige" Eigenschaft, dass er sich sehr leicht täuschen lässt. Fällt Ihnen etwa auf, dass die Photografie einer Clematis niemals das schöne Violett der Natur zeigt? Oder dass Türkis- oder Aquamarintöne auf dem Bildschirm vergleichsweise "mikrig" ausfallen? Irgendwie tauchen wir in die uns vorgeführte Scheinwelt der Bilder total ein und akzeptieren den gegebenen Farbraum als vollkommen.
Der Autor hat ein Computer-Programm entwickelt, das alle möglichen Bildschirmfarben in systematischer Anordnung nach dem Ordnungsprinzip des RAL Design bzw. CIELAB- Systems zeigt.
Bildschirmfarben in systematischer Anordnung

Hier Orange mit h = 60 (nach CIELAB)
Insgesamt sind auf dem Bildschirm Farben dieses Bunttons besser als in der Lacktechnik realsierbar.


Im Buntton 90 sind auf dem Bildschirm sehr helle Gelbtöne mit höherer Buntheit (Chroma) nicht möglich. Hingegen können relativ hoch gesättigte, "chromareiche" Olivtöne zwar auf dem Bildschirm, aber nicht lacktechnisch erzeugt werden.

Farbenarmut des Bildschirms speziell im Türkisbereich Das Programm zeigt die nur auf dem Bildschirm machbaren Farben mit einem (hier schlecht zu sehenden) dunkleren Rand. Die Position von Farben, die zwar lacktechnisch, z.B. im RAL Design Atlas, aber nicht auf dem Bildschirm realsierbar sind, ist schraffiert gekennzeichnt.

Farbenreichtum des Bildschirms im rötlichen Blau-
("Ultramarin") und Violettbereich

Farbraum-Vergleich zwischen Bildschirm und Lack in einem horzontalen Querschnitt durch den CIELAB-Raum In der Helligkeitsebene L= 50 sind auf dem Bildschirm wesentlich brillantere (höheres Chroma) Violett-, Rot- und Orangetöne als auf dem Lackgebiet möglich.
Im Grünbereich macht sich das grüne Leuchtpigment mit einer Ausbuchtung etwa bei h=150 bemerkbar.
In dieser Helligkeitsebene ist die optimale Helligkeit für den blauen Phosphor schon überschritten. Deswegen sind sogar mit Lackpigmenten brillantere blau/grüne Farben möglich.
Farbraum-Vergleich zwischen Bildschirm und Lack in einem verikalen Schnitt durch den CIELAB-Raum entlang der Helligkeitsachse L und durch die Blau / Gelb - Achse b Im Lackbereich sind brillantere Gelb möglich als auf dem Bildschirm. Der dunkle Gelbbereich (Olivtöne) ist nicht gefragt. Der Bildschirm ist im Vergleich zu den in der Lackindustrie machbaren Blautönen arm an normalen und insbesondere grünlicheren Blautönen.